Bluthochdruck
Aktuelles aus der Forschung
- Weniger Salz schützt Herz-und Kreislaufsystem
- Ein erhöhter Salzkonsum kann den Blutdruck hochtreiben. Da ein Bluthochdruck das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht, kann durch eine Reduktion der täglichen Salzzufuhr mit der Nahrung das Risiko gesenkt werden. Gemäß der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind ca. 60% aller Schlaganfälle und ca. 50% der Herzinfarkte auf einen Bluthochdruck zurückzuführen. Die Gefahren eines hohen Salzkonsums wurden jüngst in 13 Studien mit fast 180.000 Teilnehmern über mehrere Jahre hinweg ausgewertet. Gemäß dieser Studien war ein hoher Salzkonsum mit einem fast 25% erhöhten Schlaganfallrisiko und 17% erhöhten Risiko für Herzkreislauferkrankungen (z.B. Herzinfarkt) behaftet. Aus den Studien ließ sich ermitteln, dass das Risiko auf einem zusätzlichen Salzkonsum von 5g täglich basiert (ca. ein Teelöffel). In Westeuropa nehmen die Menschen ca. 10g Salz täglich zu sich. Eine Reduktion auf die von der WHO empfohlenen 5g täglich könnte das Risiko für Schlaganfall und Herzkreislauferkrankungen somit deutlich reduzieren.
- Hohe Blutdruckamplitude offenbar nachteilig für Hypertoniepatienten
- Neuste Forschungsergebnisse geben Hinweise auf die Bedeutung einer hohen Blutdruckamplitude: also der Differenz zwischen oberem (systolischem) und unterem (diastolischem) Wert bei Hypertonikern. Ein hoher Wert beschleunigt die Verkalkung der Gefäße (Arteriosklerose) und führt neben einer Verdickung der Herzwände auch zu einer verschlechterten Durchblutung der Herzkranzgefäße. Ein Anstieg der Differenz von 60 auf 70 mm Hg hat in Studien zu einer Erhöhung des Zehn-Jahre-Risikos für Infarkte oder Tod auf das Drei- bis Vierfache geführt. Entsprechend wichtig ist die Notwendigkeit einer strikten Blutdrucksenkung, um Folgeschäden und Risiken zu minimieren.
- Kontinuierliche Blutdruckmessung über Sensor in der Schlagader
- Der Bluthochdruck betrifft heutzutage immer mehr Menschen, die korrekte Messung des Blutdruckes ist sehr wichtig für die Therapieeinstellung und -überwachung. Neben den gelegentlichen Messungen ist derzeit die Durchführung einer Langzeit-Blutdruckmessung über 24 Stunden Standard, insbesondere nachts kann aber wiederholtes Aufpumpen der Manschette störend sein. Forscher des Fraunhofer-Instituts haben nun einen nur ein Millimeter im Durchmesser großen Drucksensor entwickelt, der in die Leistenschlagader implantiert wird und über ein kleines Kabel mit einer Übertragungseinheit unter der Haut verbunden ist. Hierüber ist ein Abfragen des Blutdruckprofils jederzeit möglich, auch ist eine Überwachung von Patienten mit Herzschwäche als weiteres Einsatzgebiet denkbar. Erste Tests sind bereits angelaufen.
- Energy-Drinks nicht ohne Risiko
- Der regelmäßige Genuss so genannter Energy-Drinks steigerte in einer Studie bei jungen gesunden Probanden Blutdruck und Herzfrequenz so stark, dass US-Kardiologen auf ihrer Jahrestagung Ende 2007 in Orlando/Florida Hypertonikern und Patienten mit Herzerkrankungen vom Konsum dieser Freizeitgetränke abrieten. Das Deutsche Ärzteblatt schreibt, dass Energy-Drinks Koffein und die Aminosäure Taurin (taurus lat. Stier), die erstmals 1827 in Ochsengalle nachgewiesen wurde, enthalten. Taurin soll wie Koffein eine belebende Wirkung haben, wenn man dem Marketing der Hersteller glaubt. Da die Getränke nicht als Medikamente zugelassen sind, ist die Datenlage zu den medizinischen Wirkungen jedoch spärlich. Auch zu den Risiken ist wenig bekannt. Eine kleine Studie von Kardiologen des Henry Ford Hospitals in Detroit weist darauf hin, dass die Getränke durchaus spürbare Wirkungen auf das Herz haben. In den vier Stunden nach dem Konsum des Getränks stieg der Blutdruck bei den Probanden um 10 mm Hg systolisch (Circulation 2007; 116: II/831). Die Herzfrequenz nahm um fünf bis sieben Schläge pro Minute zu. Am siebten Tag der Untersuchung hatte sich die Wirkung noch etwas verstärkt.
- Langzeit-Blutdruck-Kontrollen aussagefähiger als Einzelmessungen
- In der Beurteilung der Blutdruckwerte ist die Messung über 24 Stunden deutlich aussagefähiger als einzeln zu Hause oder in der Praxis gemessene Werte. In einer Untersuchung der Universität Rio de Janeiro verglichen die Ärzte das 24-Stunden-Profil mit den Praxismessungen. Außerdem wurde über fünf Jahre die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Problemen erfasst. Die Einzelwerte besaßen kaum Aussagekraft für das Blutdruckniveau und das Risiko von Komplikationen. Die Mittelwerte über einen Tag dagegen wiesen eine hohe Verlässlichkeit in puncto Risikoermittlung auf. Insbesondere gilt die Empfehlung, die nachts erhobenen Mittelwerte zur Beurteilung des Blutdruckniveaus und der Therapieeffektivität heranzuziehen.
- Niedrige Temperaturen erhöhen den Blutdruck
- Ein schon lange bekannter Effekt wurde von französischen Forschern bei älteren Menschen untersucht. Bei niedrigen Außentemperaturen kommt es zu einem Anstieg des Blutdruckes, üblicherweise sinkt dieser in wärmerer Umgebung wieder ab. Bei über 65-jährigen und besonders bei über 80-jährigen scheint dieser Anpassungsmechanismus gestört zu sein. Trotz morgendlicher häuslicher Messungen ohne vorherige Kälteexposition blieb ein erhöhtes Blutdruckniveau in der Winterzeit bei den älteren Menschen erhalten. Dies erklärte Prof. Laufs von der Universitätsklinik Homburg/Saar in der Ärztezeitung mit einer offensichtlich gestörten Funktion des so genannten Baroreflexes. Als Folge muss mit einem andauernden erhöhten Infarktrisiko der Älteren gerechnet werden.
- Medikamentenkombinationen effektiv in der Blutdruckeinstellung
- Ein wesentliches Prinzip der medikamentösen Blutdruckeinstellung besteht darin, bei unzureichendem Effekt eines Wirkstoffes frühzeitig eine andere Wirkstoffgruppe zu kombinieren. Zur Verbesserung und Vereinfachung der Einnahme werden zunehmend fixe Kombinationspräparate verordnet. In einer aktuellen Untersuchung (COACH-Studie, veröffentlicht in Clinical Therapy) wurde die Wirksamkeit der kombinierten Stoffe Olmesartan und Amlodipin im Vergleich zur Monotherapie in verschiedenen Wirkstärken verglichen. Hier war die Kombination in Sachen Blutdrucksenkung wie auch bei der Nebenwirkungsrate überlegen.
Angesichts der Tatsache, dass in Deutschland lediglich ein Drittel der Hochdruckpatienten gut eingestellt ist (Europäische Hochdruckgesellschaft), zeigt, dass weiterer Handlungsbedarf besteht.